Abhängigkeit ist ursprünglich ein Entwicklungszustand: es ist die Lebensphase jedes Menschen, wenn er als Baby auf die Welt kommt und als hilflose Wesen total angewiesen ist auf seine Eltern. Diese Zeit der Abhängigkeit geht über Kindheit und Jugend hinaus, weiter wenn der junge Mensch nicht gelernt hat, sich von den Eltern abzulösen und selbständig zu werden.
In den ersten 5 Jahren dieser Abhängigkeit lernt das Kind in dem Angewiesensein auf seine Bezugspersonen Strategien zu entwickeln, sich zu behaupten, seinen Platz in der Welt zu finden und auf eigenen Füßen zu stehen.



In einer lieblosen, distanziert-kühlen, verwahrlosenden oder überbehüteten Erziehung bzw. in Eltern-Kind-Beziehungen, wo das Kind unter Gewalt, Angst, Missbrauch oder Drogen aufwächst, werden viele Kinder tagtäglich genötigt, sich in Form von Co-Abhängigkeit zu verhalten: sie tun alles, was die Erwachsenen wollten, geben in Konflikten nach, verleugnen ihre eigenen Bedürfnisse, um die Eltern zu stützen oder weil nur dieses Verhalten sie vor schlimmerer Gewalt schützen kann.
Eine andere Form der Co-Abhängigkeit ist die Selbstausbeutung: man tut alles, damit es den anderen gut geht, ist überaus hilfreich für andere oder man wird zum "Heldenkind" und übernimmt aufopfernd und hilfreich Verantwortung für das Leben von Mutter und Vater. Co-Abhängigkeit ist ein früh erlerntes Lebensmuster, wo der Platz des Kindes in der Welt der Familie und die kindliche Identität prägend verankert wird. Als unbewusste Konditionierungen beeinflussen sie unser tägliches Verhalten als Erwachsene und werden oft erst in Konfliktsituationen, im Stress und in Krisen sichtbar. Bei der Heilung des Inneren Kindes geht es darum, diese Prägungen wieder fühlbar zu machen. Dann kann die eigene Co-Abhängigkeit als falscher Lebensentwurf wahrgenommen werden, so dass der Weg frei wird, ein neues Lebensgefühl mit Würde, Respekt und Selbstachtung zu entdecken.