Wenn eine Mutter mit ihrem kleinen Kind häufig in heftigen, fortwährenden Streit gerät, z.B über Schlafengehen, Essen, Anziehen oder Aufräumen oder ein andauernd schreiendes Baby hat, dann passiert es, dass sie plötzlich in heftige Wut gerät, ausrastet, ihr Kind anschreit oder schlägt. In diesem Konflikt begegnen sich zwei Kinder: das äußere Kind, das Baby oder Kleinkind, und das verletzte innere Kind der hilflosen Mutter.
Eine Mutter (oder Vater) kann nur soviel an Liebe und Geduld ihrem Kind weitergeben, wie sie selbst in ihrer Kindheit erfahren hat. Bei Menschen, die ihre Kindheit mit viel Lieblosigkeit, Ausgrenzung, Übergriffen, Missachtung oder Missbrauchserfahrung erlebt haben, ist die Gefahr groß, in ausweglosen Erziehungssituationen besonders im Umgang mit kleinen Kindern ungewollt mit den Gefühlen ihrer eigenen früheren Verletzungen zu reagieren, wenn sie mit ihren Nerven am Ende sind: das "schwierige" Verhalten ihres Kindes triggert so traumatische Kindheits-Erlebnisse der Mutter: daher reagieren Erwachsene plötzlich aus Angst und Panik wie kleine Kinder.
Die Innere-Kind-Erziehungsberatung berücksichtigt nicht nur die berechtigten Bedürfnisse eines kleinen Kindes, sondern auch die der Mutter mit ihren Möglichkeiten und Grenzen: die ausbrechenden Aggressionen des Erwachsenen gegen ein kleines Kind können im Kontext zu den verletzten, traumatischen Lebenserfahrung der eigenen Kindheit wahrgenommen, gefühlt und wertgeschätzt werden: die Mutter beginnt ihr eigenes Ausrasten, ihre eigenen Hilflosigkeit tief emotional zu verstehen und zu akzeptieren. Sie wird dadurch ruhiger, klarer, mit sich sicherer und dies wirkt beruhigend auf ihr Kind zurück.
In manchen Fällen ist es so, dass schon nach der Geburt oder im Laufe des ersten Jahres eine Mutter wenig Gefühl und Zuneigung zu ihrem Kind empfindet. Auch hier kann das verletzte innere Kind der Mutter die Bindung zu ihrem Baby blockieren. Im Wechselspiel mit den Lebensbedürfnissen des äußeren Kindes und der liebevollen Wahrnehmung des inneren Kindes des Erwachsenen finden hier heilende Prozesse statt: beide entwickeln sich: das Kind und seine Mutter gemeinsam auf einer Basis von Dialog, Verständnis und Kooperation.